Kali - was für ein Weib!

 

Kālī – Was für ein Weib!

 

 

Ja, so darf man sie ruhig nennen, ein richtiges Weib! Sinnlich, eigenständig und ganz in ihrer weiblichen Kraft. Und wieso komme ich in dieser speziellen Zeit auf gerade sie?

 

Weil sie als die Göttin der Veränderung, des Wandels gilt.

 

Diese Pandemie und der daraus resultierende Lockdown beschäftigen uns alle. Darin sind wir schon mal vereint.

 

Die einen suchen ihr Heil aus Angst und Hoffnungslosigkeit in abstrusen Verschwörungstheorien, nicht zielführend aber das Ego wird gefüttert. Wir als Yogis wissen um diesen kleinen zickigen Kern in uns und arbeiten (hoffentlich) produktiv mit ihm.

Dann finde ich noch die blindlings Vertrauenden, die ebenfalls ihr Ego nähren und sich als Allwissende strafend über die, sicher oft nervenden, Mitbürger stellen.

 Und die, die sich vielseitig informieren und das Gemeinwohl mal an die erste Stelle setzen können, weil sie sich zurück nehmen können - ganz in der Gewissheit, dass es uns hier immer noch so unglaublich gut geht.

 

Aber nach dieser wirklich langen Zeit der Einschränkungen muss man doch auch mal darüber nachdenken, warum macht das Universum, der liebe Gott, die Welt oder wie immer du dein Höheres nennen magst, das mit uns?!

 

Sich selbst zu reflektieren, ist schließlich eine ganz wichtige Regel im Yoga. (Svadhyaya, das 2. Glied im achtgliedrigen Yogapfad nach Patanjali) Wie oft habe ich gedacht, dass die Welt mal eine Auszeit bräuchte? Wie oft habe ich mir mehr Ruhe für mich und meine Ideen gewünscht?

 

Sind diese Wünsche nicht millionenfach schon ans Universum geschickt worden?

Hast du dir nicht auch schon oft ein längeres Wochenende gewünscht, mehr Zeit für die Familie, dein Hobby? Wolltest du nicht mal endlich Zeit zum Ausschlafen haben, Zeit, ein Buch zu lesen oder hast gedacht, dass der Job so nicht weitergehen kann?

 

Ups, da ist die Antwort. Ja, leider kommt sie nicht immer so, wie gewünscht aber für mich ist es die Antwort auf so viele Wünsche und Fragen. Also bleibt mir nur der Dank ans Universum, an das, was weiser ist als ich – was immer es sein mag. Das macht mich demütig, lässt mich vieles wieder mehr achten und ganz bestimmt wird mein erster Restaurantbesuch nach dem Lockdown einer der besten meines Lebens!

 

Doch lass uns den Kālī -Faden wieder aufnehmen.

 

Sie ist derzeit also meine Begleiterin. Sie wandelt durch Vernichtung. Denn nur so wird Platz für Neues geschaffen, tritt Veränderung ein.

 

Und da ist noch etwas.

 

Gerade wir Frauen werden dazu erzogen, brav und nett zu sein. Das kann eine Tugend sein und sicher resultieren viele Qualitäten daraus aber mal ganz ehrlich, bringt es uns in der Welt immer weiter? Frauenquoten sind nötig, verdeckter Sexismus begegnet mir noch immer täglich, unterbezahlte „Frauenberufe“ bleiben unterbezahlt.... Ja, und diese irren Instagramm Filter und Mädchen machen es uns auch nicht einfacher aber wenigstens sind sie nicht leise.

 

Kālī , entstanden, so eine Geschichte, aus der Zornesfalte Durgas, der Kriegsgöttin, im eigentlich ausweglosen Kampf gegen einen mächtigen Dämon. Durgas kämpfte weiter, verletzte den Dämon und aus jedem vergossenen Blutstropfen wurde ein neuer Dämon. Frustrierend – und kennt das nicht jeder? Kali nahm mit ihrer Zunge jeden Tropfen auf und fraß schließlich den Dämon!

 

Mal wieder sind die Götter nicht zimperlich.

 

Übrigens soll sich Shiva ihr zu Füßen geworfen haben um sie zu bändigen. Auf den meisten Bildern schaut er, nebenbei bemerkt,  bewundernd zu ihr auf!

 

Ihre herausgestreckte Zunge sollte ihm Demut zollen, nachdem sie sich beruhigt hatte. Aber diese Geste steht auch für das Vernichten des Bösen!

 

Kālī wird oft blutrünstig und kriegerisch dargestellt aber sie hat auch Shakti, die weibliche Urkraft.

 

Es obliegt dem Blickwinkel, wie wir sie sehen wollen. Welcher göttlichen Anteil in dir ruht, welchen du gerade brauchst und wecken möchtest. In der tantrischen Weltsicht wird Kālī als allem zugrundeliegende Form der göttlichen Mutter betrachtet.

 

Wir brauchen alle nicht nur „nett und brav“, sondern müssen auch mal laut und kriegerisch unser Recht einfordern, für uns sorgen! Und das gerade nun, in dieser Zeit und damit wir kraftvoll wieder neu in eine gute Zeit starten können.

 

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